Das Ende von Gigaom

In 100 Wörtern wurde vor drei Wochen das Ende von Gigaom verkündet. Fast zehn Jahre nachdem der Blogger Om Malik sich in einem Starbucks in San Francisco entschloss, sein Hobby zum Beruf zu machen. Er kündigte seinen sicheren Jobs bei Forbes und startete Gigaom

Fast zehn Jahre bestand der Techblog und erreichte über sechs Millionen Leser. Letztlich bestand die Begründung für das Ende aus nur einem Satz: „Gigaom recently became unable to pay its creditors in full at this time.“ That’s it, Feierabend. 

Es war ein Schock für die Branche, galt Gigaom doch als Pionier für Größen wie Recode oder TheVerge. Überraschend war es auch für die 68 Angestellten, die bei ihrer Kündigung noch mitten in der Arbeit an Artikeln steckten. Etwa 1000 Tickets, die für ein geplantes Gigaom-Event vorverkauft wurden, wurden nicht zurückerstattet. 

Gigaom zeichnete sich durch seine ungewöhnlich ausführliche Tech-Berichterstattung aus und verschmähte dabei die üblichen Clickbaits. Man könnte sagen: noch echte Alte Schule. Aber in Zeiten von Buzzfeed und Vice wirken sechs Millionen Unique Visitors bei fast 70 Angestellten nicht sonderlich attraktiv auf Geldgeber. 

Dabei ist der Niedergang von Gigaom nicht im redaktionellen Bereich zu suchen, es war vielmehr das Geschäftsmodell das nicht funktionierte. Über mehrere Finanzierungsrunden hat die Seite in der Vergangenheit über 30 Millionen US-Dollar von Investoren eingesammelt – konnte letztlich aber nicht das Versprochene liefern.

Die Investoren hatten es vor allem auf den Rechercheservice abgesehen. Ein Angebot für Pro-Abonnenten, die exklusive Rechercheaufträge an die Redaktion vergeben konnten (in der letzten Ausgabe habe ich einen ähnlichen Service von Politico beschrieben). Dazu kamen natürlich Einnahmen aus Anzeigen und auch diverse Events wurden unter der Marke veranstaltet. Der Rechercheservice machte dabei über die Hälfte des Umsatzes aus. Letztlich stellte sich dieser aber als sehr zeitintensiv für die Redaktion heraus und Geld floss immer erst bei Abschluss der Arbeiten – die durchaus mehrere Monate dauern konnten. Die Investoren und Gläubiger wurden ungeduldig. Das war das Ende.

Links zum Niedergang von Gigaom:

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Europäischer Ableger von Politico startet

Als ich vor zwei Jahren in Washington war, staunte ich nicht schlecht, als ich eine Politico-Ausgabe am Empfang von meinem Hostel entdeckte. Ich staunte, weil die Ausgabe gratis war. Quasi ein Anzeigenblättchen, deren renommierter Ruf allerdings bis nach Europa bekannt ist. Der Inhalt: Recht schwere politische Kost aus dem Herzen des Machtzentrums Amerikas. Ziemlich bissig geschrieben. Ein Anzeigenblättchen über den mühsamen politischen Alltag? Wie kann das funktionieren?

Am Dienstag startet politico.eu (eine Landing Page existiert bereits). Dabei handelt es sich um den europäischen Ableger in Brüssel der bemerkenswert erfolgreichen Mutterausgabe aus Washington D.C. Der derzeit extrem investitionsfreudige Springer-Verlag ist mit 50 Prozent dabei und soll als Eintrittstor in den europäischen Markt dienen.

Politico wurde 2007 gegründet und die Printausgabe hat eine Auflage von 30-40.000 in D.C. und Manhattan. Mittlerweile beschäftigt die Publikation knapp 250 Journalisten. Das Zugpferd bei der Reichweite ist aber die Website, die monatlich zwischen vier und fünf Millionen Leser erreicht. Die Einnahmen kommen nach eigenen Angaben zur Hälfte aus dem Printgeschäft und zur Hälfte von der Website. Mittlerweile finanziert sich Politico auch durch Events in Washington (Wahlkampfveranstaltungen für Republikaner und Demokraten) und dem speziellen Pro-Service. 

Politico Pro ist eine Art Nachrichtendienst für Politiker und Lobbyisten. Die Abonnenten können eine Themenauswahl treffen und bekommen ein regelmäßiges Briefing. Das lässt sich Politico mit einigen Tausend Dollar im Jahr bezahlen. Ein interessantes Modell, denn Lobbyisten gibt es in Brüssel zu genüge (genau genommen liegt Brüssel auf dem zweiten Platz hinter D.C. in der Statistik). 

Letztlich finanziert sich Politico also über drei Säulen: Anzeigen (50%), Pro-Abonnement (40%) und Events (8%). Sollte diese Modell auch in Europa funktionieren kann Politico einen wesentlich größeren Markt erreichen. Die EU hat 66 Prozent mehr Einwohner als die USA. Zumindest in der Theorie also ein interessanter Markt. Letztlich aber schwer zu beurteilen, da Politico eine sehr spezielle Leserschaft anspricht: Stark vernetzt, finanzstark und international. 

Schafft es Politico mit Hilfe von Springer, der sicherlich den Eintritt in den europäischen Markt ebnen wird, seine hohe Anzahl an Pro-Abonnenten auch hier zu erreichen, haben wir bald eine sehr solide finanzierte und echt europäische Publikation aus Brüssel.

Politico.eu startet mit einem Team aus 30 Journalisten, die auf Englisch berichten werden. Mit der Finanzierung aus dem Springer-Deal von zehn Millionen Dollar möchte man sich bald auf 60-70 Reporter erweitern. Auch eine deutsche Ausgabe ist wohl geplant.

Bissiger Polit-Journalismus kommt nach Brüssel. Ich bin gespannt. Übrigens: Politico hat seine Wurzeln auch in einem Newsletter vom Mitgründer Jim VandeHei. Lang lebe der Newsletter als Keimzelle - und wenn dir dieser gefallen hat, dann empfehle ihn doch weiter!

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NSA-Skandal - Eine Anleitung für die Bundesregierung

Vorwort

Liebe Bundesregierung,

es ist vermessen eine Anleitung für die Regierung zu schreiben. Ich habe weder die Kenntnisse, noch die Einsichten in die Situation, die Verwicklungen und die Möglichkeiten. Aber ich habe den Politikern offensichtlich eines voraus: Ich kann ganz ungezwungen darüber lamentieren. Ohne diplomatische Hindernisse oder innenpolitische Querelen. Und ich habe – mit Verlaub – eine wesentliche Erkenntnis erlangt, die der Regierung fehlt: Es geht hier nicht um einen Spionage-Skandal, es geht um Überwachung. Und wer überwacht wird, ist nicht frei. Das sagte Glenn Greenwald bereits und damit ist alles zur Begründung der Problematik gesagt. Die Grundfesten der Demokratie sind in Gefahr. Grund genug zum Weiterlesen?

1. Die Situation erkennen

Das Handy der Kanzlerin wird abgehört und selbst der NSA-Untersuchungsausschuss scheint unterwandert zu werden. Der enge Freund USA spioniert ungehemmt auf deutschem Boden. Das ist... keine Überraschung. Es wird spioniert, es wurde spioniert und es wird es immer werden. Auch zwischen "befreundeten" Nationen. Die gibt es übrigens gar nicht und gab es nie. Es gibt höchsten temporäre Partnerschaften, gemeinsame Ziele und Interessen. Es sind auch die Interessen, die jetzt die Freundschaft noch am Leben erhalten. Es sind keine Freundschaften, wer soll auch befreundet sein? Eine Gesellschaft mit einer Gesellschaft? Eine (zeitlich begrenzte) Regierung? Ergibt wenig Sinn. 

Spionage ist also nicht überraschend und auch der Schaden ist eher symbolischer Natur. Der eine spioniert den anderen und andersrum. Letztlich also ein ausgeglichenes Spiel mit James-Bond-Romantik. Der 31-Jährige Doppelagent soll 218 Dokumente innerhalb von zwei Jahren weitergegeben haben(1). Das ist lächerlich. Zumindest im Vergleich mit dieser Zahl: 25 000 000 000 000 000 Byte(2). Das ist die Speichermenge, die die NSA täglich an Informationen sammelt. 

Und das finde ich jetzt überraschend. Ein Umstand, der in der Regierung zu wenig Reaktionen führt. Mal beendet man die "Affäre" plötzlich, mal ist man enttäuscht, mal schockiert. Dabei verkennt man die eigentliche Problematik: Das Problem ist nicht die NSA oder der BND. Auch nicht die USA oder Großbritannien. Das Problem ist eine technologische und gesellschaftliche Entwicklung! Wir produzieren in unserem Alltag immer mehr digitale Informationen. Digitale Angebote wie Shops, Soziale Netzwerke, Versicherungen. Hardware wie Smartphones, Autos, Laptops und viele Geräte, die bald Einzug in unseren Haushalt finden werden. All diese Informationen werden gesammelt. Von Regierungen und von der Wirtschaft. Sie werden ausgewertet, benutzt und oftmals weitergegeben. Wir können das nicht verhindern, es ist der Lauf der Dinge. So wie man den Energieverbrauch, die Umweltverschmutzung oder die Erfindung der Dampfmaschine nicht rückgängig machen kann. Das ist die Problematik, der sich die Politik stellen muss. Also hört bitte auf über Whistleblower, Spione oder Geheimdienste zu debattieren. Sie sind nur eine Folge der neuen Möglichkeiten.

Es gibt große Parallelen zum Umweltschutz. Vielleicht können wir aus diesen lernen. Eine Thematik, die lange nur von "Spinnern" und "Radikalen" ernstgenommen wurde. Der Politik war es viele Jahre lästig, es war ein großes Thema ohne einfache Lösungen. Es benötigte schaurige Bilder (Abholzung des Regenwaldes) und furchtbare Katastrophen (Fukushima) damit die Thematik unumgänglich für die Politik wurde. Liebe Regierung, müssen wir beim Thema Überwachung wieder so lange warten?

Der Fünf-Punkte-Aktionsplan

  1. Edward Snowden Asyl gewähren. Um eine Entwicklung in die richtigen Bahnen zu lenken und die richtigen Konsequenzen zu ziehen, benötigt es zuerst Verständnis. Snowden ist derzeit wohl der Mann mit dem meisten (zugänglichen) Wissen über den Status Quo der Überwachung. Welche Möglichkeiten gibt es, was ist Fantasie und was Realität? Wie weit sind wir in der Entwicklung? All das muss man herausfinden und dafür brauchen wir Snowden. Ja, die USA mögen das nicht. Aber wie ich bereits bemerkte, es geht hier nicht um die USA oder die NSA. Es geht um eine gesellschaftliche Entwicklung. Meine Empfehlung für die diplomatische Problematik: Eine unabhängige (womöglich internationale) Kommission von Experten, die Snowden befragt. Snowden ist kein Spion, der empfindliche Interna der USA ausplaudern soll, sondern ein Experte. Er selbst hat mehrmals gesagt, dass er der USA nicht schaden will. Es geht hier um Aufklärung im internationalen humanitären Sinne.
  2. Wir brauchen geschützte Räume. Da die USA nicht gewillt ist ein bilaterales oder multilaterales (No-Spy-)Abkommen zu unterzeichnen, müssen wir eigene Alternativen entwickeln. Jedem sollte es freistehen Google oder Bing für seine Suchanfragen zu nutzen. Aber jedem sollte auch eine geschützte Alternative angeboten werden. Und nein, die sollte nicht von der Regierung entwickelt werden. Die Bundesregierung hat letztlich die selben Interessen wie jede Regierung auf der Welt. Und Unternehmen am Markt sind eben Unternehmen. Es braucht neue Strukturen. Mir schweben Non-Profit-Organisationen oder ein öffentlich-rechtliches Modell für digitale Werkzeuge vor. Diese könnten nicht nur Services entwickeln, sondern auch Zertifikate verteilen. Auch hier können wir vom Umweltschutz lernen.
  3. Gesetze! Ja, das ist ein schwieriger Punkt. Eine rechtliche Absicherung ist keine Garantie. Aber das gilt für jedes Gesetz. Eigentlich ist es verboten ein Auto zu klauen, aber es passiert. Privates Eigentum sollte Eigentum bleiben. Aber auch dagegen haben schon Regierungen in der Geschichte Deutschlands verstoßen. Und dennoch: Gesetze sind die Rahmenbedingungen, die eine Gesellschaft zu einer funktionierenden Gesellschaft machen. Den Datenschutz hier außen vor zu lassen, wäre ein immenser Fehler.
  4. Setzt das Thema auf die internationale Agenda. Wir werden nicht müde anderen Nationen die Demokratie zu erklären. Teil dieser Demokratie ist es die Privatsphäre zu achten und geschützte Lebensräume zu garantieren. Das mag nicht neu sein, aber es hat in den letzten Jahren eine neue Dimension, eine neue Priorität bekommen. Werdet dem gerecht! G8, UN, bilateral und unilateral. In Afrika, China und den USA. Überall. Wieder der Vergleich zum Umweltschutz: es ist eine Entwicklung, die nicht an Ländergrenzen stoppt. Und das Internet sowieso auch nicht.
  5. Hört auf die Bevölkerung und unsere Bedürfnisse. Ihr werdet sonst schon bald eure Macht und Legitimation verlieren. Hört auf mit diplomatischen Spielen auf Kosten der Bürger. Oder wie Oliver Kahn es sagen würde: Eier, wir brauchen Eier!

(1) tagesschau.de

(2) nsa.gov

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Die Email lebt

Mein Großvater kannte keine Emails. Mein Vater kann sie nicht leiden. Ich liebe sie und wenn ich mal Kinder haben werde – sie werden sie ziemlich oldschool finden. Meine Generation ist eine Generation der Mails, wir haben Gigabyte-Große Postfächer und meist gleich ein Dutzend verschiedener Adresse. Wir rufen sie unterwegs, am Laptop, im Browser und mit dem Mail-Programm ab. Doch die E-Mail gerät immer mehr in den Verruf: Sie soll ein Produktivitätstöter (der sogar dumm machen) sein und sowieso bald von Instant Messenger und Sozialen Netzwerken abgelöst werden. 

Das Internet ist dementsprechend voll von Tipps, wie man seine Inbox aufräumt oder am Besten gleich Mails abschafft. Die Zukunft der Kommunikation soll – so tönt es aus vielen Ecken – in wenigen Zeichen (fünf Sätze zum Beispiel) und in Echtzeit stattfinden. Ich bin dagegen! Warum? Bitte weiterlesen! 

1. Entschleunigung

Auch wenn wir mittlerweile Mails auf das Smartphone gepusht bekommen und oft innerhalb weniger Minuten nach dem Versenden Kenntnis davon nehmen. Eine Antwort braucht Zeit. Eine IM-Nachricht ist direkte Kommunikation, praktisch ein Gespräch. Eine Mail ist eine Korrespondenz, praktisch ein Dokument und nicht bloß ein zugerufener Satz. Der Empfänger legt das Dokument ab, archiviert es, denkt darüber nach. Er nimmt sich Zeit beim Antworten, legt (im besten Falle) Wert auf Formalitäten. Im Gegensatz zu Direktnachrichten oder Facebook-Messages gehört zu einer Mail immer noch eine Anrede, eine Abschlussfloskel und oft auch eine Signatur mit Kontaktinformationen. Für mich sind solche Formalitäten auch ein Zeichen der Mühe und des Respekt vom Absender. So konservativ darf man ja noch sein.

2. Die Lüge der Produktivität

Emails machen unproduktiv. Diese Aussage erinnert mich an die Waffen-Debatte in den USA. Es sind letztlich nicht die Mails, die unproduktiv machen, genauso wenig wie Waffen töten. Es liegt am Akteur, der das Werkzeug benutzt. Zugegeben, ein drastischer Vergleich. Aber die Kausalität sollte man hinterfragen. Ein Werkzeug ist immer auswechselbar, es gibt eine Alternative mit der man den selben Effekt erzielt. Will sagen: Stöpsel ich mein Mail-Konto ab, klingelt dafür das Telefon oder der Briefkasten wird voller.

3. Kompatibilität

1971 hat Ray Tomlinson die erste Mail versendet. Seitdem konnte sie sich als Standard der digitalen Kommunikation und Alternative zum Postverkehr durchsetzen. Es gibt tausende Programme zum Abrufen und Versenden. Tausende Anbieter und Milliarden von Adressen. Jeder hat die Möglichkeit seinen eigenen Mail-Server aufzusetzen und sich in das Netz der Mails einzuklicken. Es gibt kein Patent oder Monopol die Mail-Protokolle, es ist kein geschlossenes Netzwerk. Mails können mit Anhängen, verschlüsselt, formatiert zwischen allen Betriebssystemen ausgetauscht werden. Sie können synchronisiert, archiviert, gedruckt und was weiß ich noch werden.

4. Marketing

Social Media ist das Ding, wenn man sich die Marketing-Branche anschaut. Die gute alte Mail ist aber immer noch weit effektiver, wenn es ums darum geht neue Kunden anzuwerben. Nur eine Zahl dazu: Kundenanwerbung per Mail hat sich in den letzten vier Jahren vervierfacht. Klar, Pinterest und Instragram sind sexier, aber nicht effektiver.

Die Mail ist noch lange nicht gestorben und das ist auch gut so. Übrigens, alleine im Jahr 2010 wurden 107 Billionen Mails verschickt. Ein Zuwachs von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wo wir allerdings auch bei den Problemen der guten alten Mail sind: Spam und Spam. Aber so ist das eben bei einem offenen System, das von über drei Milliarden Accounts aus benutzt wird.

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WhatsApp - Der Nutzer ist ein armer Wurm

Ich liege bereits im Bett, als ich vom 19 Milliarden Dollar-Deal erfahre. WhatsApp hat einen prominenten Platz auf meinem Smartphone, ich rufe den Messenger dutzende Male am Tag auf. Eine innige Beziehung, die mich nur 99 Cent gekostet hat. Ein lächerlicher Preis, bei dem man sich als Kunde nicht zu wichtig nehmen sollte. Meine Nutzerdaten werden im fernen Silicon Valley wie im Quartett hin- und hergeschoben. Ich bin die Ware und fühle mich wie ein kleiner Wurm. Das Einschlafen fällt mir schwer.

Am nächsten Morgen bimmelt mein Handy - WhatsApp. Ich merke, dass die Beziehung zu der kleinen App belastet ist, mein Gewissen drückt. Dabei ist die Übernahme durch Facebook nicht schlecht für uns Nutzer. Facebook ist ein großes Unternehmen, es ist dem europäischen Datenschutz verpflichtet und wird von den Medien auf Schritt und Tritt argwöhnisch beäugt.

WhatsApp hingegen, mit seinen 50 Mitarbeitern und fast einer halben Milliarde Nutzern, war ein Himmelfahrtskommando. Ein kleines Unternehmen, das sowohl mit Öffentlichkeitsarbeit als auch mit den Sicherheitsaspekten seiner Software überfordert war. Nicht einmal den Firmennamen auf dem Klingelschild soll es gehabt haben. Und es wächst so rasant, dass in Kürze wohl jeder zehnte Erdbewohner den Dienst nutzen wird.

Mir kommt Albert Einstein in den Sinn. Er soll einmal über die Entstehung Schwarzer Löcher gesagt haben, dass Gott durch Null dividiert hat und die Gesetze der Physik außer Kraft setzte. 19 Milliarden Dollar - hier sind es die Regeln der Ökonomie, die durch das Erdbeben namens Digitalisierung einfach ignoriert werden. Die Spieler, quasi die Meister des Nutzerdaten-Quartetts, sind kalifornische Jungunternehmer. Bei mit Schokolade übergossenen Erdbeeren sollen Marc Zuckerberg und der WhatsApp-Mitgründer Jan Koum den Deal beschlossen haben.

Am Tag nach der großen Nachricht machte ich mich auf die Suche nach Alternativen. Eine App, bei der ich keine Gewissensbisse bekomme. Denn, auch wenn Facebook mittlerweile ein erwachsener Player auf dem Spielplatz Silicon Valley ist, es ist ein zu Mächtiger. Beim Datenschutz geht es auch darum, Informationen aufzuteilen. Ganz wie in Demokratien mit Macht verfahren wird. Und Daten sind mittlerweile große Macht. Nicht einer soll alles haben. Und auch ein armer Wurm kann ein bisschen rebellieren, um ruhig schlafen zu können.

Dieser Artikel erschien zuvor in der Badischen Zeitung und auf fudder.de.

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