Apples WWDC 2017

Apple hat diese Woche seinen jährlichen Einblick in aktuelle Produktentwicklungen gegeben. Wie immer, versuchen Journalisten und Apple-Fans eine Bewertung abzugeben. Ist der Konzern noch innovativ genug oder war es eine enttäuschende Veranstaltung?


Es ist immer leicht zu sagen, dass Apple dieses Jahr keine neue Revolution von der Wucht eines iPods oder iPhones vorgestellt hat. Alles etwas eingeschlafen seit Steve Jobs.

Aber so einfach ist es nicht. Apple 2017 ist ein ganz anderes Unternehmen als vor 10 Jahren. Und vor allem der Markt an Mitbewerbern hat sich dramatisch geändert. Microsoft hat sich enorm modernisiert, Amazon ist einer der stärksten Player geworden. Die Konkurrenz schläft heute nicht mehr, wie es früher bei IBM, Microsoft, RIM oder Nokia eher der Fall war.

Apple setzt nicht mehr auf eine risikoreiche Beschleunigung, jetzt geht es eher um eine passiv-aggressive Abwehr der Marktstellung. Und das hat die WWDC 2017 gezeigt.

  • Man reagiert auf die Konkurrenz und kündigte einen Sprachassistenten fürs Wohnzimmer an
  • Man reagiert auf die zahlreichen Kundenstimmen, die mehr Liebe für Profi-Anwender forderten (iMac Pro, File-Manager und Dock für iPads)
  • Man reagiert auf die großen Themen, die niemand mehr ignorieren kann: Machine Learning, VR und AR
Apple hebt sich von der Konkurrenz dennoch weiterhin ab. Man fährt ein anderes Geschäftsmodell, dass sich über hohe Hardware-Margen finanziert und dafür an vielen Stellen die Nutzerbedürfnisse mehr in den Mittelpunkt stellen kann: Kein Autoplay von Videos, AdBlocker, Verschlüsselung, Datenschutz und ein mittlerweile exzellenter Kundenservice.

Es läuft für Apple. Auch wenn es nicht mehr Jobs-Style ist. Jobs wollte die Nutzer erziehen, er wollte häufiger Nein sagen. Kein Stylus, kein AppStore, klare Abgrenzung des iPads, einfache Produktpalette. Tim Cook hingegen, hört auf die Nutzer – und liefert.

Soweit so gut. Zwei Dinge bereiten mir allerdings etwas Sorge:

  1. Der HomePod wurde vor allem als Lautsprecher für Musik vorgestellt. Klar, Musik war für Apple immer ein wichtiger Part. Aber es zeigt eigentlich, dass man bei der ganzen Thematik intelligente Assistenten abgehängt wurde. Jetzt wirft man also erstmal die Hardware auf den Markt und hofft, dass man bei der Software irgendwie die Konkurrenz einholen kann.
  2. Das iPad wird immer mehr ein Gerät, dass sich nicht einordnen lässt. Das war allerdings von Anfang an das Problem. Apple verkauft mit seiner Hardware eigentlich immer eine klare Idee, einen klaren Nutzen. Nicht so mit dem iPad. Der Kunde muss sich selber überlegen, wie zur Hölle er das Gerät eigentlich einsetzen sollte. Ist es jetzt ein Laptop-Ersatz? Wieso sollte es dann aber besser als ein Laptop sein? Ist iOS das System der Zukunft oder bleibt MacOS das Arbeitstier? Keine Ahnung...

Apple tut gut damit, auf die Nutzerbedürfnisse zu hören. Wenn das allerdings dazu führt, dass man keine eigene Langzeitstrategie mehr hat, dann wird es die Produktpalette verwässern und der Konzern wird zu einem zweiten Samsung werden.