Meine technischen Tools, meine Philosophie

Die Zeiten sind vorbei, als ich fast keinem Download-Link widerstehen konnte. Ich habe installiert, probiert, kaputtgemacht und wieder runtergeworfen. So lernt man, aber es kostet auch Zeit und mittlerweile versuche ich auf wenige Tools und Services zu setzen. Dahinter steckt der "weniger ist mehr-Gedanke", aber mittlerweile ist mir der Workflow auch wichtiger. Damit meine ich, dass ich ein Setup möchte, das möglichst gut zusammenarbeitet und wenig Pflegeaufwand erfordert.

Dazu ein paar Vorbemerkungen, die meine Auswahl grundsätzlich beeinflussen.

It's an Apple world

Ich bin tief verwurzelt im Apple-Ökosystem. Angefangen mit Windows (95, 98, ME, XP) habe ich mehrere Jahre auf Linux gesetzt (Debian, Ubuntu). Erinnert ihr euch noch an die großartigen IBM Thinkpads? Diese in Kombination mit einem robusten Linux-System waren ein großartiges Setup. Ich habe die Dinger geliebt (insbesondere die portable X-Serie). Und Linux war ein Bastelparadies.

Doch die freie Zeit zum Fixen und Probieren wurde weniger – und vor allem kam das iPhone. Plötzlich war da ein neues Device, das neben dem Laptop einen weiteren Computer darstellte. Ab sofort war es für mich wichtig, dass diese zwei Geräte auch miteinander funktionieren und mein erster Mac (iMac mit Snow Leopard) kam ins Haus. Seitdem bin ich tief verwurzelt in iCloud, iTunes, iMessage usw. Die Symbiose aus Hard- und Software aus einer Hand ist bis heute überlegen. Und es ist unkompliziert: Setze ich Macbook oder iPhone neu auf, muss ich nur die iCloud anwerfen und wie von Geisterhand lädt er Fotos, Notizen, Mails, Termine, Passwörter, Lesezeichen, Files, Apps und Musik auf das Gerät. Eine komplette Neuinstallation (Clean Install) ist somit innerhalb von zwei Stunden möglich. Früher war das gerne mal ein kompletter Tag Arbeit.

Analog siegt oft

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Ich versuche eigentlich so wenig Technik wie möglich in meinem Alltag zuzulassen. Das ist paradox, beschäftige ich mich doch beruflich jeden Tag mit Technik, blogge in der Freizeit darüber und würde mich als sehr technik-affin bezeichnen. Aber genau das ist der Punkt. Ich möchte mich nicht überfrachten und wer sich intensiv mit einer Materie beschäftigt, der ist genauso begeistert wie auch skeptisch.


xkcd – Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.5 License.

An technischer Hardware zuhause besitze ich genau drei Dinge: Macbook Pro, iPhone 6s, AppleTV. Diese drei Geräte decken alle Use Cases ab, die für mich relevant sind. Konnektivität mit dem iPhone, Arbeiten mit dem Macbook und entspannen mit dem AppleTV. Komplett analog sind hingegen: Zahnbürste, ArmbanduhrRasiererNotizbuch. Okay, ich habe auch ein paar Küchengeräte. Aber selbst da ist mir der Siebträger lieber als ein Vollautomat. Nennt mich Purist, Hipster, konservativ oder was auch immer. Aber wenn ich sehe, was bei der CES für ein Ramsch auf den Markt geworfen wird, würde ich mir mehr Skepsis bei Journalisten und Verbrauchern wünschen.

Anyway. Wie sieht also mein Setup aus?

Hardware & Software

Im Mittelpunkt steht mittlerweile das iPhone. Zumindest privat. Mein Laptop bleibt meistens in der Agentur, mein iPhone ist in erster Linie zur Kommunikation (iMessage, WhatsApp, Email und Telefonieren), aber auch für meine morgendliche Newsletter-Lektüre. Ich schreibe ungern längere Texte auf dem iPhone, Screen-Tastaturen und Ich wurden nie richtig warm miteinander. Ansonsten möchte ich nicht mehr auf Apple Music und Podcasts verzichten, hauptsächlich im Auto auf dem Weg zur Arbeit.


Mein aktueller Home Screen, iPhone 6s.

Meine meistbenutzten Apps sind eigentliche alle Stock-Apps. Ich nutze fast nie Drittsoftware, wenn sie nicht einen erheblichen Mehrwert bietet. Also: Kalender, Notes, Apple Mail, Wetter, Erinnerungen. Ziemlich langweilig, aber zuverlässig und immer bestens mit dem Macbook/AppleTV synchronisiert. Man sollte sich das Leben nicht unnötig schwermachen. Die New York Times App ist übrigens nur ein Link zur Website. In News Apps habe ich eigentlich noch nie einen Vorteil gesehen, außer dass sie nervige Notifications senden. Auch die Workout App ist übrigens nur eine Web App. Simpel, benötigt keine Updates, was will man mehr.

Am interessantesten sind für mich Apps, die den mobilen Charakter eines Smartphones unterstützen. Ich möchte keine Pendants zur Desktop-Version auf dem iPhone haben, weil es in 99 % der Fälle sinnvoller ist, die App dann auch direkt auf dem Laptop/Desktop zu nutzen. Sinnvoll sind aber Apps, die mir helfen von A nach B zu kommen: Bahn Navigator (ich vermeide es allerdings mit der Deutschen Bahn zu fahren, leider ein Steinzeitunternehmen), MyTaxi und die VRS für den regionalen Verkehrsverbund in Köln. Sobald man mit dem Navigator aber auch Einzeltickets im Regionalverbund kaufen kann, fliegt die VRS App vom Handy [Update 05/2018: Ist passiert.].

Beruflich steht das Macbook im Mittelpunkt. Eigentlich ein perfektes Gerät: Retina Screen, angenehme Tastatur und das beste Trackpad auf dem Markt. Ich habe nie verstanden, warum Windows Laptops kein gescheites Trackpad hinbekommen. Aber vielleicht hat sich das mittlerweile auch gebessert. Auf Zubehör zum Macbook verzichte ich völlig. Kein externer Screen, keine Maus, keine Tastatur. Mein Motto ist small screen productivity und ein Laptop ist nunmal ein portables Gerät. Für mich macht es keinen Sinn, wenn ich erst fünf Stecker rausziehen muss, wenn ich vom Schreibtisch aufs Sofa wechsel.

An Software setze ich analog zum iPhone auf die vorinstallierten Apple-Produkte. Ansonsten ist iA Writer das Schreibwerkzeug meiner Wahl. Ein (sehr guter) Font, iCloud-Synchronisation, Markdown, sehr gutes File Management und PDF/Word-Export. Mehr brauche ich nicht. Zur Hölle mit Word.


iA Writer: Was braucht man mehr?

Generell bin ich kein Fan von Microsoft Office, deswegen darf auf der Liste auch meine Powerpoint-Alternative Deckset nicht fehlen. Ich konzentriere mich gerne auf den Inhalt und mag Software, die mir nicht zu viel Spielraum beim Rumspielen mit der Optik erlaubt. Mit Deckset lassen sich Präsentationen mit Markdown bauen. Keine Pixel-Schubserei, einfach Wörter und Grafiken reinwerfen, um den Rest braucht man sich nicht zu kümmern. Auch hier ist der Workflow übrigens entscheidend. Ich kann die Präsentation mit iA Writer schreiben, Deckset übernimmt automatisch und in Echtzeit die Konvertierung in ein schönes Template. Ein tolles Produkt aus einer deutschen Software-Schmiede!

(Software as a) Service

Neben meinen Nachrichten-Abos (NyTimes und Spiegel Print, die gelten aber wohl eher als Content as a Service) darf natürlich Ghost nicht fehlen. Auch hier steht der Markdown Support im Vordergrund. iA Writer ist meine zentrale Anlaufstelle für Content: Dort liegen Blog Posts (die in Ghost kopiert werden), Präsentationen (die von Deckset gebaut werden) und eigentlich alle Texte, die ich beruflich wie privat verfasse.

Der Domain Registrar meiner Wahl ist übrigens I Want My Name. Ich mag einfach Anbieter, die sich auf eine Sache konzentrieren und diese simpel und professionell umsetzen. Die üblichen Hosting-Anbieter haben furchtbare Websites aus dem letzten Jahrtausend und ein unüberblickbares Angebot an Tarifen und Diensten. Mache eine Sache, aber mache sie richtig.

Google spielt bei mir eigentlich keine Rolle, außer die obligatorische Google Suche. Meine Mails, Kalender und Kontakte laufen, wie gesagt, über iCloud. Im Job muss ich leider Office 365 nutzen, mehr schlecht als recht. Trello ist noch ein Dienst, den ich gerne auf Projektbasis einsetze. Für mich ist die Kartenansicht die Essenz von einfacher Organisation. Visuell, simpel und für jeden verständlich.

Dienste, die mir am Herzen liegen, die ich aktuell aber nicht benötige: Dropbox (nach wie vor die beste, einfachste File-Synchronisation), Fastmail (der wohl beste Mail-Anbieter), Basecamp (tolles, durchdachtes Produkt und ein inspirierendes Unternehmen).

Soweit meine Übersicht. Ziemlich wenige Tools für einen Tech-Nerd. Aber so funktioniert es für mich (aktuell) am besten. Keep it simple, stupid ¯_(ツ)_/¯.