Newsletter, die ich nicht mehr missen möchte

Ich bin ein kleiner Newsletter-Junkie. Oder Junkie ist vielleicht der falsche Begriff, es ist keine qualitative Zuneigung, sondern eher eine Liebe für das Format an sich. Ein Newsletter ist oft die Essenz – und die Essenz von etwas ist immer das Wertvollste. Ein Newsletter hat ein eindeutigen Beginn und ein eindeutiges Ende, er ist kein endloser Stream (Social Media) oder eine sich stetig aktualisierende Plattform (News Sites). Ich kann ihn öffnen, lesen und damit abschließen. Ein beruhigendes Gefühl, dass ich heutzutage im digitalen Mediendschungel oft vermisse.

Und er ist technisch simpel, vertraut und bequem. Wer sich für einen Newsletter anmelden möchte, braucht in der Regel nichts – außer einer E-Mail-Adresse. Und die hat jeder. Keine Installation oder komplizierte Registrierung. "Why does one of the world’s most reviled technologies keep winning?", fragt The Atlantic in einem interessanten Stück. E-Mail funktioniert mobil, benötigt keine große Datenmengen und jeder weiß, wie man sie bedient.

Aber genug der Lobeshymne, ich möchte ein paar Empfehlungen aussprechen. Newsletter, die mich teilweise bereits seit Jahren begleiten und die wesentlicher Bestandteil meines Medienkonsums sind.

Ich habe für mich verschiedene Kategorien an Newslettern festgemacht. Einmal unterscheiden sie sich natürlich in der Erscheinungsweise. In der Regel täglich oder wöchentlich. Tägliche Newsletter können einem schnell auf die Nerven gehen, wenn man nicht jedes Mal Zeit und Lust zum Lesen hat. Dazu auch eine kleine Faustregel: Wenn ich eine Ausgabe mehr als dreimal hintereinander ungelesen gelöscht habe, dann kündige ich.

Ein weiterer Unterschied ist die Art der Kuratierung. Ist der Newsletter ein abgeschlossenes Stück Information, also werde ich nicht zum Weiterlesen auf eine Website geleitet, dann nenne ich es ein abgeschlossenes Medium. Meistens sind Newsletter aber eher eine Linksammlung mit Teasern. Das ist nicht immer trennscharf, da manchmal der Teaser bereits ausreichend Informationen liefert. Ich werde es hier einfach so definieren, wie ich den Newsletter tatsächlich überwiegend konsumiere. Soweit zu den Kriterien, jetzt meine Empfehlungen.

Meine tägliche Lektüre

  • Quartz Daily Brief (täglich, Linksammlung): Das Daily Brief ist fester Bestandteil meiner Frühstückslektüre. Über das noch recht junge Medienunternehmen Quartz habe ich an andere Stelle bereits geschrieben. Das Daily Brief bietet Nachrichten mit Fokus auf Technologie und Wirtschaft in einem sehr angenehmen Format. Die meisten Themen werden auf die Artikel auf qz.com verlinkt, einige aber auch zu fremden Quellen im Web.
  • Spiegel – Die Lage / Beispiel (täglich, abgeschlossen): Für mich die perfekte Ergänzung zu meinem Spiegel-Print-Abo. In gut 5 Minuten kann man sich hier einem Gedanken (meist zur deutschen Politik) widmen. Kompakt und sehr gut geschrieben. Es gibt hier auch ein paar weiterführende Links (die Nachrichten der Nacht), die ich aber meistens ignoriere.
  • turi2 (2x täglich, abgeschlossen): Für mich der beste Überblick der Medien- und Werbebranche. Mittlerweile auch öfters mit Bewegtbild (Interviews) und ein guter News-Mix aus der Welt der Agenturen, Verlagen und sonstigen Medienschaffenden. Oft auch mit Technologie-News. Trifft einfach mein Interessenspektrum.
  • Fully Charged / Beispiel (täglich, abgeschlossen): Trifft jeden Tag mittags in meiner Inbox ein und deckt mein Wissensdurst nach den neuesten News aus Technologie/Silicon Valley. Fully Charged widmet sich in jeder Ausgabe einem bestimmen Thema und führt dies direkt im Newsletter aus. Also immer etwas monothematisch, was ich sehr angenehm finde.

Lektüre fürs Wochenende

  • Monday Note (wöchentlich, abgeschlossen): Hierfür muss man sich etwas Zeit nehmen. Meist sind im Newsletter zwei Artikel mit je 5 Minuten Lesezeit zu finden. Verfasst von Frederic Filloux und Jean-Louis Gassée, beide sind wirklich anerkannte Analysten der Tech-Branche. Einfach echter High-Quality-Content.
  • Niemanlab (wöchentlich, Linkliste): Hier geht es um die Zukunft des Journalismus. Eine Publikation der Nieman Foundation der Harvard University. Es ist schlicht die beste Quelle für ausführliche Artikel rund um Medien im digitalen Zeitalter. Gibt es übrigens auch in einer täglichen Erscheinungsweise.
  • Stratechery (wöchentlich, abgeschlossen): Hier kann ich mich kurz fassen: Die besten Analysen zur Digital Economy, die man finden kann. Von Ben Thompson. Nough said.

Persönliche Newsletter

Manchmal folge ich einem Newsletter, weil ich einfach up-to-date über die Aktivitäten der Person sein möchte. Die Newsletter haben einen sehr persönlichen Touch und erscheinen oft unregelmäßig.

  • MeshedSociety / Beispiel (wöchentlich, Linksammlung): Der Newsletter von Martin Weigert, eine Zusammenstellung seiner liebsten Artikel aus dem Themenbereich Digitalisierung.
  • Zine / Beispiel (wöchentlich, Linksammlung): Ein Newsletter rund um Technologie und Publishing von Johannes Klingebiel. Schöner persönlicher Touch und gute Linkauswahl.
  • Benedict Evans (wöchentlich, Linkliste): Ben Evans muss ich glaube nicht vorstellen. Brillanter Kopf, recht kompakte Linksammlung mit starkem Valley-Fokus. Auch oft viele Mobile-Themen.

Wie oben beschrieben, bin ich recht rigoros bei meinem Setup an Newslettern. Da fliegt auch gerne mal einer raus oder ich probiere einen neuen aus. Ich denke man sollte seine Newsletter-Abos genauso intensiv pflegen wie die Liste der Leute denen man auf Social Media folgt oder seine RSS-Feeds. Nur wer hier liebevoll pflegt, hat am Ende auch ein positives Nutzungserlebnis.