Social Media ein unabdingbarer Bestandteil der PR? Not so much…

Mut zur Lücke, auch mal gegen den allgemeinen Trend. Einfach mal öfters „Nein“ sagen und seinen eigenen Weg gehen. Genau das sollte vor allem der Nachwuchs, die junge Generation, öfters machen. Wir hecheln der Digitalisierung hinterher, versuchen neue Trends zu verstehen, obwohl sie eigentlich niemand versteht. Diese Gedanken haben mich vor einem Monat auf auf dem #WTFBerlin17 begleitet. Und sie kamen wieder, als ich den Kommentar von Stephanie Tönjes (Deutsche Telekom) im PR Report gelesen habe.

Stephanie schreibt über die Spezies in der Kommunikationsbranche, die sich Social Media verweigert: „Stolz darauf zu sein, Social Media nicht zu nutzen, ist in meinen Augen ein absolutes No Go und zudem für einen Kommunikationsprofi einfach nur peinlich.“

Sollte jeder Kommunikator die Mechanismen und Möglichkeiten der Plattformen mittlerweile kennen? Absolut. Sollte jeder diese auch nutzen? Nicht unbedingt.

Wir sollten die Werkzeuge nicht zu sehr in den Mittelpunkt rücken. PR verfolgt klar definierte Ziele und sollte an den konkreten Ergebnissen gemessen werden. Wie diese Ziele erreicht werden, da sollten wir verdammt nochmal kreativer und mutiger werden.

Jeder Friseurladen um die Ecke hat mittlerweile eine Facebook-Seite – und das schon seit Jahren. Diese PR-Menschen, wie von Stephanie (und Daniel Neuen) beschrieben, die noch nichtmal eine konkrete Vorstellung der Funktionsweisen von Social Media haben, kann man mit gutem Gewissen aufs Abstellgleis schieben. Diejenigen, deren Kreativität beim Einsatz von Social Media aufhört, allerdings auch. Ich twittere, ergo bin ich modern.

Modern ist, neue Wege zu beschreiten. Modern wäre heute zum Beispiel auch, auf Social Media in der Kommunikation zu verzichten. Den Massen, die um Aufmerksamkeit kämpfen, einfach aus dem Weg gehen. Dafür andere Kanäle nutzen und letztlich das Ziel effektiver zu erreichen. PR bedeutet ein einmaliges Profil zu entwickeln. Wiedererkennungswert, Einmaligkeit.

Um dies zu erreichen, muss man entweder die Mittel der Massen nutzen, aber wesentlich besser dabei sein oder bestehende Lehrbuchmeinung über den Haufen werfen und etwas Neues finden.

Etwas Neues wird man nicht in schlauen PR-Büchern oder in den zahllosen Ratgeberartikeln im Web finden. Auch nicht der Praktikant, der fleißig auf Snapchat unterwegs ist, wird einem helfen. Dieser neue Weg ergibt sich aus dem konkreten Unternehmen selbst. Er ist völlig individuell und muss von dem Kommunikator mühsam erarbeitet werden. Er hängt ab von der Unternehmens-DNA, der unternehmerischen und somit auch kommunikativen Zielsetzung – und von dem, was die Mitbewerber machen. Genau das, sollte dann wahrscheinlich nicht gemacht werden. Das kann dann mit Hilfe von Social Media – oder eben auch ohne sein.

Die große Kunst der PR liegt nicht in den Kenntnissen über Kanäle und Technologien. Das sind Werkzeuge. Die große Kunst liegt darin, zu analysieren, wie sich ein Unternehmen in der Öffentlichkeit positionieren sollte und mit welchen Inhalten dies erreicht wird. Dann kann eine gute Pressemitteilung immer noch besser als ein schlechter Snap sein. „Peinlich“ ist der bewusste Verzicht auf Twitter eben nur, wenn das Gesamtergebnis auch kacke ist. ¯\_(ツ)_/¯