Think negative – 90 Prozent der Startups scheitern

Erfolgsgeschichten sind inspirierend. Wir verfolgen sie gerne, in der Hoffnung etwas für unsere eigenen Vorhaben zu lernen. Aber lassen sich Erfolge nachahmen? Gibt es so etwas wie eine Erfolgswelle, ein Geheimrezept? Nein. Wir sollten uns auch der dunklen Seite zuwenden, den Misserfolgen, dem Scheitern. Lasst mich erklären warum.

Scheitern ist normal – es wirft dich zurück und bringt dich dennoch voran

Ein kluger Mensch betrachtet immer beide Seiten. Es ist das alte Prinzip von Yin und Yang. Erfolg und Misserfolg können nur zusammen existieren und beides muss verstanden werden. 

Wer einen Ikea-Schrank schnell abbauen möchte, sollte schauen wie er zusammengebaut wurde. Augen auf beim Hinweg, dann findest du auch wieder nach Hause. Um einen Menschen wirklich einschätzen zu können, musst du seine Stärken und Schwächen kennen. Wie verhält er sich beim Erfolg und – noch wichtiger – wie bei einer Niederlage?

Rede über die Niederlage

Geschichten des Misserfolgs sind kostbarer. Nicht nur weil wir mehr dabei lernen, sondern auch weil sie rar sind. Wir erzählen gerne von Erfolgen und verheimlichen Niederlagen. Das ist im ersten Moment auch gut so. Wir fühlen uns dabei wohler und unser Gegenüber meist auch. Stellt euch vor, ihr seid im Smalltalk mit einer neuen Bekanntschaft und er oder sie beginnt das Gespräch mit der Geschichte einer niederschmetternden Niederlage. Wir hören andere nicht gerne Jammern.

Es wäre gegen den Verhaltenskodex, auch wenn wir wissen, dass diese Geschichten überall existieren. Aber weil Niederlagen so kostbar sind, müssen wir uns verdienen, sie zu hören. Wir müssen ein Vertrauensverhältnis zu anderen Menschen aufbauen, bis sie sich öffnen und ihre verwundbare Seite zeigen. Sie sind ihr kostbarstes Gut.

Einsicht hilft im Umgang mit dem Big Fail

Frage einen Gründer, wie es bei ihm so läuft und er wird dir etwas Positives antworten. Scheitern ist ein isolierter und einsamer Prozess. „Fail fast, fail early, fail often!“ ist nur ein Spruch. Gründer klammern sich an ihr Projekt, so wie eine Mutter an ihr Kind. 

„Wir sind in der Pre-Revenue-Phase“ ist eine häufige 

Floskel der 90-Prozent-Fraktion. Es gleicht einem schwarzen Ozean und man weiß nicht einmal in welche Richtung man schwimmen soll.

In diese Situation gerät jeder Mensch – und zwar mehrmals. Scheitern muss gelernt sein und lernen kann man nur, wenn man sich etwas von anderen abschaut. 

Dabei ist die Möglichkeit zu scheitern etwas zutiefst Menschliches. Jeder Mensch scheitert, trifft falsche Entscheidungen. Auch im Business. Halten wir uns lieber an das klassischste aller Minus-Mantras: 

Murphy’s Laws

  1. Alles, was schief gehen kann, geht auch schief. 
  2. Auch was nicht schief gehen kann, geht irgendwann schief. 
  3. Auch wenn etwas, das eigentlich schief gehen sollte, nachher doch nicht schief gegangen ist, wird man feststellen, es wäre besser gewesen, wenn es schief gegangen wäre. 

Feiere deine Niederlage (ja, feiern)

Menschen wollen andere scheitern sehen. Es ist eine kranke Welt. Das ist ein wesentlicher Teil des Konzepts vieler Reality-TV-Shows. Wenn ihr bequem von zuhause jemandem beim Auswandern verfolgt, wollt ihr ihn scheitern sehen. Der Nachbar gründet ein Unternehmen? In drei Monaten fragt ihr wie es läuft – und insgeheim wollt ihr, dass er mit gesenktem Blick murmelt: „Alles braucht seine Zeit“. Uli Hoeneß oder Christian Wullf wurden mit Genuss und Häme öffentlich zerpflückt. Es ist ein Mix aus Schadenfreude, Besserwissertum und Sadismus. 

Der beste Umgang mit dem Scheitern ist ein offensiver. Mache die Niederlage zum Erfolg. Feiere eine Fucking-Up-Night und nutze die Aufmerksamkeit im Moment der Niederlage. Wir können alle nur davon lernen. Und sympathisch ist ein guter Verlierer allenfalls.

Wer wagt gewinnt. Und verliert. Immer. 

Inspiration im Failen