WikiTribune, Republik und Co: Und der Journalismus lebt…

Trump hat den Journalismus gerettet. Und der Brexit hat sicherlich auch seinen Teil dazu beigetragen. Einige Publikationen, wie die New York Times, das WSJ und die Post, spüren das bereits bei Ihren Abo-Zahlen. Die Stimmung in den Redaktionen ist zwischen kampfeslustig, enthusiastisch und oft auch am Rande der Kräfte. Dazu ein schönes Porträt über die grey, old Lady (Spiegel) – Leseempfehlung!

Es ist offensichtlich geworden: Man muss keine Listicles, lustige GIFs und explodierende Wassermelonen vertreiben, um online Geld zu verdienen. Saubere Fakten, tiefe Recherche und vor allem Unabhängigkeit funktionieren als Kaufargument für Nachrichtenpublikationen. Die uralten Werte sind wieder gefragt und der Qualitätsjournalismus hat endlich wieder seinen USP gefunden.

Screenshot von NyTimes.com: Endlich wieder stolz auf die eigenen Qualitäten.

Es bedurfte des mächtigsten Mannes der Welt, der auf die Medien wie ein wilder Stier losging. Es hätte der Todesstoß für eine Branche sein können, die seit über zehn Jahren verzweifelt ihre Rolle in einer digitalisierten Welt suchte. Es kam aber anders. Ein notorisch lügender US-Präsident, der aufkeimende Populismus und ein wachsender Verdruss unzähliger Click-Bait-Formate verhilft den alten, ehrwürdigen Publikationen zur zweiten Luft.

Allerdings sind es nicht nur die etablierten Player. Es kommen aktuell unglaublich viele neue Publikationen auf den Markt. Es sind sehr spannende Zeiten für Journalisten und Leser. 

Hier eine Liste, bitte stöbern und bei Gefallen supporten:

  • Axios: Ein ambitioniertes Projekt von Politico Co-Founder Jim VandeHei. Der Clou: Ein verkürztes, übersichtliches Format für Berichterstattung über Tech, Politik und Wirtschaft. Erinnert mich durchaus auch an Quartz.
  • TheHustle: Ein täglicher Newsletter zu Tech- und Business-Themen. Sehr frech und erfrischend im Ton. Auf jeden Fall vielversprechend, immerhin haben Sie über 300.000 Abonnenten in einem Jahr einsammeln können.
  • TheOutline: Das neueste Projekt von Joshua Topolsky (davor bei TheVerge und Bloomberg aktiv). Topolsky ist bekannt für seine progressive Ansichten bezüglich Design und Geschäftsmodell von Publikationen. Die Handschrift erkennt man bei TheOutline zu 100 Prozent. Crazy modernes Design!
  • WikiTribune: About time, würde ich mal sagen. Jimmy Wales, Gründer von Wikipedia, nimmt sich dem Thema Fake News an. Ganz nach dem Wiki-Prinzip (jeder Artikel ist offen für Änderungen, Vorschläge und Erweiterungen) möchte das Team eine Plattform für kollaborativen Journalismus auf die Beine stellen. Letztlich also eine Mischung aus professionellen Journalisten und der Community. Das Funding läuft…
  • Republik: Kein deutsches Projekt in dieser Liste? Leider ja. Aber immerhin etwas deutschsprachiges. Das Schweizer Projekt – rund um den von mir sehr geschätzten Constantin Seibt – ist bereits jetzt das erfolgreichste Crowdfunding für ein journalistisches Projekt in Europa! Damit ist De Correspondent auf Platz 2 verdrängt worden. Hammer! Die Republik setzt übrigens auf eine Genossenschaft, den zahlenden Lesern gehört also der Verlag. Ganz ähnlich der taz und bei der funktioniert es prächtig. Ich bin gespannt.

Foto: Nein, hier gibt's nicht das neue iPhone zu kaufen. Leser stehen Schlange, um ein Abo von Republik.ch abzuschließen.

Es freut mich so unglaublich, wie viel gerade in der Branche abgeht. Und ich glaube, viele haben jetzt verstanden, dass wir einerseits die alten, journalistischen Tugenden als Basis nutzen und gleichzeitig unsere Gewohnheiten bezüglich Formate, Geschäftsmodell und Verbreitung über den Haufen werfen müssen. Digital first, but kick it like oldschool!