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Es sind meine beiden Lieblingsthemen, wenn es um state of the art-Journalismus geht. Nicht, dass man die beiden ernsthaft vergleichen könnte, Newsletter sind eine ziemlich alte Technologie und Paid Content ist im mainstreamigen Medienbereich noch recht neu. Das eine ist ein Geschäftsmodell und das andere ein Format und technisches Medium. Auf den ersten Blick hat das eine mit dem anderen nicht viel zu tun, oder?

Viele der innovativen Publisher setzen prominent auf Newsletter – in Kombination mit Paid Content. Die Hoffnung dahinter: Der Newsletter gilt als Einfallstor und anfütternde Droge für die Inhalte hinter der Bezahlschranke. Newsletter schaffen eine Umgebung von Exklusivität (nur Abonnenten bekommen die Inhalte zu sehen) und sprechen vor allem loyale Leser an. Genau diese braucht man bei einem Paid Content-Modell, denn der Gelegenheitsnutzer oder Social-Media-Trittbrettfahrer lässt sich selten für ein monatliches Abo überzeugen.

Und die Hoffnung ist nicht unbegründet. Laut Mailchimp (und die sollten dazu akkurate Daten haben) liegt die durchschnittliche Öffnungsrate bei Newslettern von Medienunternehmen bei 22 Prozent. Das ist schon ordentlich. Die New York Times ist extrem erfolgreich mit ihren 50 verschiedenen Newsletter. Teilweise werden Öffnungsraten von 80 Prozent verzeichnet, der wohl populärste Newsletter (das Morning Briefing) geht täglich raus und hat eine Öffnungsrate von 60+ Prozent. Das ist enorm. Die Zeitung zählt mittlerweile 13 Millionen Newsletter-Abonnenten (2014 waren es noch 6 Millionen), also auch ganz klar auf Wachstumskurs.

Gut, das ist die good ol' Times könnte man jetzt sagen. Aber der noch recht junge Publisher Quartz kann ähnliche Zahlen präsentieren. Anfang 2018 konnte man sich dort über über eine Verdoppelung der Abonnentenzahlen innerhalb eines Jahres freuen. Stolze 700.000 lesen den recht neuen Newsletter "Quartz Obsession", der jeden Tag ein bestimmtes Thema hintergründig behandelt. Die Öffnungsrate: 73 Prozent, also auch weit über dem 22 Prozent-Benchmark der Branche.

Aber was hat das jetzt genau mit Paid Content zu tun? Nun, deswegen:

According to the Times memo, that growth matters because newsletter subscribers are twice as likely as regular New York Times readers to become subscribers, the primary area of focus for the publisher. (They also read twice as many stories per month as the average Times reader.)

Und auch beim New Yorker hat man ähnliche Erkenntnisse gewonnen:

Condé Nast’s data science team found that the best indication of whether a NewYorker.com reader would become a paying subscriber is if they were a newsletter subscriber.

Newsletter sind also ein großer Taffic-Treiber (noch vor Twitter), die Monetarisierung steht noch am Anfang und er spricht vor allem loyale Nutzer an, die letztlich auch am ehesten gewillt sind für Inhalte zu bezahlen.

Sind Newsletter aber letzten Endes nur ein Trend? Zumindest kein kurzfristiger, würde ich sagen. Sie funktionieren sehr gut mobil, sie sind einfach zugänglich (ohne besondere Hürden) und sie befriedigen das Bedürfnis nach Endlichkeit. Hört sich komisch an, aber viele (ich auch) schätzen an Printprodukten, dass diese ein Ende haben. Stichwort News Cycle Fatigue – und der Newsletter ist da ähnlich gestrickt und mir macht es jedes Mal Spaß, einen Newsletter nach dem Lesen zu löschen.

Wer jetzt Lust auf Newsletter bekommen hat, hier habe ich kürzlich ein paar lesenswerte vorgestellt.

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Man mag es kaum glauben, aber in der überschaubaren schweizerischen Medienszene bewegt sich einiges. Ja, man kann ehrfürchtig sagen, wir können dort ein bisschen publizistische Zukunft sehen. Seit Beginn des Jahres ist die Republik online, hier mein erstes Urteil.

Entstehung

Ganz am Anfang stand die Idee eines Crowdfundings für ein publizistisches Startup in der Schweiz. Ich habe irgendwann Anfang 2017 zum ersten Mal davon gehört und erwähnte das Projekt nach dem erfolgreichen Crowdfunding an dieser Stelle. Mein Interesse war sofort geweckt, weil Constantin Seibt einer der Gründer ist und ich seine Arbeit sehr schätze.^[Ich kann jedem nur sein Buch "Deadline" empfehlen. Eine Pflichtlektüre für jeden, der schreibt.] So ging am 12. April ein Newsletter mit diesen Worten raus: "In diesen Minuten, Punkt 12 Uhr, rufen wir in Bern die Republik aus".

Es folgten viele weitere Newsletter, die übrigens eindeutig die Handschrift von Seibt tragen: Keine Angst vor ultralangen Texten, für manche der Newsletter muss man sich 20-30 Minuten Zeit nehmen. PS, PPS und PPPS am Ende. Und die ganze Kommunikation ist an den Stil von Howard Luck Gossage angelehnt. Aber das nur am Rande, ich habe jedenfalls jeden Newsletter genossen.

Das Ziel von Republik ist nichts weniger als den Journalismus und damit die Demokratie zu retten. In dem Manifest heißt es:

Ohne Journalismus keine Demokratie. Und ohne Demokratie keine Freiheit. Wenn der Journalismus stirbt, stirbt auch die offene Gesellschaft, das freie Wort, der Wettbewerb der besten Argumente.

Etwas weniger abstrakt wurde das Ziel in einem der Newsletter zum Funding beschrieben:

Im Kern sehen wir uns als Dienstleistung für kluge Menschen in einer komplexen Welt. Sie leben ein vernünftiges Leben: mit Job, Familie, Hobby. Sie haben nicht die Zeit, sich 24 Stunden am Tag um allen Lärm der Welt zu kümmern. Wir haben sie. Unser Job als «Republik»-Redaktion werden die grossen Themen, Debatten, Fragen sein – kurz: alles, was lärmig, verwickelt oder unklar ist.

Das hört sich dramatisch an, auch überzogen. Ein bisschen zu ideologisch vielleicht, aber lasst sie doch einfach mal probieren! Und es zeigt auch die Aufbruchsstimmung, den Wille im Team von Republik.

Und es gibt durchaus Gründe, warum eine neue schweizerische Publikation, die unabhängig von einem großen Verlag oder Anzeigenerlösen agieren kann, notwendig ist. Die Medienmacht von Christoph Blocher und seiner rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) ist groß. Der Multi-Milliardär kauft sich ein Medienimperium zusammen mit dem viele nicht einverstanden sind. Das gesammelte Geld für die Republik ist sicherlich auch Geld, das weniger für das junge StartUp, sondern vor allem gegen das Blocher-Imperium investiert wurde (und für Seibt-Texte). Das ist wahrscheinlich die Erfolgsformel: Richtiges Timing (politisch und ökonomisch), prominente Zugpferde und sehr gute PR.

Finanzierung

Über drei Millionen Euro wurden durch das Crowdfunding eingespült (hier findet man noch die Seite im Web Archive). Im Vergleich: Krautreporter hat eine Anschubfinanzierung von 900.000 Euro per Crowdfunding bekommen und das große Vorbild De Correspondent aus den Niederlanden sammelte zu Begin 1,7 Millionen Euro ein. Die Republik hatte bereits am ersten Tag des Fundings mehr als 1,7 Millionen gesammelt. Das bedeutet: Sie haben den Weltrekord im Crowdfunding für Medienprojekte gebrochen und das drittgrößte Crowdfunding in der Schweiz überhaupt durchgezogen. Respekt und Chapeau dafür.

Hinter der Republik steht die gemeinnützige Genossenschaft Project R. Die Republik ist letztlich das erste Projekt der Genossenschaft und jeder Abonnent wird Mitglied. Oder bei einem Medienprojekt könnte man das Mitglied auch als Verleger beschreiben. Wir kennen ein ähnliches Konzept in Deutschland: die taz, mit einer Genossenschaft, die als Holding für den Verlag fungiert und 17.000 Mitgliedern zählt.

Bei der Republik sieht der Bauplan etwas komplizierter aus. Man möchte neben der gemeinnützigen Genossenschaft eine gewinnorientierte Aktiengesellschaft aufbauen. Letztere stellt das Magazin her, inklusive Redaktion, Vertrieb und Produktion. Eine Art "Mutter-Kind-Modell", wie es die Macher nennen. Das wirkt auf mich wie eine juristische Kopfgeburt. Allerdings scheint sie interessante Möglichkeiten der Macht- und Interessenverteilung zu ermöglichen. So werden die Abonnenten über die Genossenschaft 40 Prozent der Aktien halten und damit den größten Block der Anteilseigner ausmachen.

Der Start und das damit verbundene Medienecho hat übrigens direkt 2.000 neue Abonnenten angelockt. Die taz hat man damit mit etwa 17.700 Genossenschaftsmitgliedern überholt^[wobei die taz natürlich mehr Einnahmequellen wie Printverkauf und Anzeigen hat und nicht jeder Abonnent auch Genossenschaftsmitglied wird; De Correspondent verzeichnet aktuell 50.000 Abonnenten.] Bei ca. 200 CHF monatlicher jährlicher (Korrektur vom 30.01.18) Abo-Kosten kommt man auf einen Umsatz von über 3 Millionen Euro, dazu kommen noch etwa 3,5 Millionen Investorengelder.

Inhalte

Was die Republik bisher veröffentlicht hat, sind ganz sicher keine Inhalte von der Stange. Der erste Artikel "Zuckerbergs Monster"^[Ich bin mir nicht sicher, ob Nicht-Abonenten die Artikel aufrufen können. Zumindest die über Twitter geteilten Links sind frei verfügbar.] von der jungen Journalistin Adrienne Fichter, die sich auf das Thema digitale Demokratie spezialisiert hat, legte in gewisser Weise die Messlatte. Ohne Frage, ein toller Text. Und er ist lang. Darauf folgten sogar noch längere Artikel, wie der erste Text von Seibt (50.000 Wörter) mit dem wunderschönen ersten Satz: "Warum Ihr Verstand oft nur der Pressesprecher für jemand Unbekannten gleichen Namens ist."

Seibt versteht es wie kein andere, den Leser bei der Stange zu halten und durch langen Content zu führen. Aber nicht jedem Leser gefiel es und oft wurde in den Kommentaren verzweifelt gefragt, wann man denn solch einen Artikel lesen sollte?! Am Frühstückstisch hat man eben nicht mal so eine Stunde Zeit für solch ein monströses Stück. Kurz darauf folgte in den Kommentaren eine Entschuldigung von Seibt – mit etwas Augenzwinkern:

Pardon. Die Pferde waren ein Jahr im Stall, dann sind sie ein wenig wild über die Prärie galoppiert. Es war ein wenig viel in meinem Kopf. Ich werde mich in Zukunft kürzer halten.

Mir gefällt der Mut zur Länge. Das ist natürlich kein Qualitätsmerkmal, aber dennoch erfrischend. Erfrischend sind auch die unterschiedlichen Stilrichtungen. Von ausführlichen Reportagen (ein toller US-Roadtrip) über Gerichtstexte und eine Kolumne von Sibylle Berg "Nerds retten die Welt!". I like. Bitte mehr davon.

Technik & Gestaltung

Journalismus ohne Bullshit wurde versprochen. Das gilt sicherlich nicht nur für die Inhalte, sondern auch für die Gestaltung. Es gibt keine Werbung, ein größeres Geschenk kann man einem Designer erstmal nicht machen. Entsprechend aufgeräumt kommt das Layout daher. Eindeutig mit einem mobile first-Ansatz^[Eine App soll in Kürze folgen. Ich sehe da aber ehrlich gesagt keinen Mehrwert. Wer in einer App sowieso nur die Website abbildet, kann sich die Mühe auch sparen.] und konsequent vom Inhalt her gedacht.

Letztlich ist es der Mut Dinge einfach wegzulassen, der die Erscheinung bisher ausmacht. Ich hoffe, das ist nicht der frühen Entwicklungsphase geschuldet, sondern Teil des Konzepts und wird auch so bleiben. Der aktuelle PageSpeed liegt laut Google bei 99/100 Punkten (mobil). Im Vergleich: SpOn kommt auf 63/100.

Es gibt neben der reinen Gestaltung noch zwei weitere Gründe, warum die Seite so aufgeräumt wirkt:

  1. Es erscheinen maximal drei Artikel pro Tag – bei elf Redakteuren übrigens. Man hat also jeden Morgen bereits einen Überblick und kann mit einer Stunde pro Tag so ziemlich alles lesen.
  2. Niemand muss auf der Übersichtsseite mit irgendwelchen Tricks zum Klicken animiert werden. Die Leser bezahlen und sind bereits motiviert zu lesen. Clickbaiting ist bei solch einem Konzept schlicht nicht nötig. Und das ist – toll!

Fazit

Wenn der erste Hype sich gelegt hat, wird die Etablierungsphase für die Redaktion kommen. Leser müssen langfristig gebunden werden. Dafür gibt es kein Erfolgsrezept, aber nach dem ersten Eindruck traue ich das den Machern zu. Sie haben mit der Inszenierung der Kampagne und des Launchs das richtige Gefühl für die Bedürfnisse der Leser bewiesen. Wenn Sie jetzt auch inhaltlich für Furore sorgen (investigative Stories fehlen bisher noch), dann könnten sie sogar über die Schweiz hinaus den deutschsprachigen Lesermarkt aufmischen.

Die Republik hat gezeigt, dass journalistische Startups – ganz ohne Altlasten – funktionieren. Und das sollte uns alle optimistisch stimmen. Keine Werbung, keine Ablenkungen. Ein recht demokratisches Gesellschaftsmodell. Die Leser finanzieren die Redaktion nicht nur, sie gehört ihnen auch. So kann Journalismus seinen Ruf, den er in den letzten Jahren durch Clickbaiting und Fake News in den Sand gesetzt hat, wieder kurieren.

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Da veröffentlicht die New York Times einen Artikel darüber, wie man sein iPhone auf eine Schwarz-Weiß-Darstellung umstellt. Keine Pointe. Willkommen im Jahr 2018, in dem wir unsere Smartphones schlechter machen, damit wir weniger abhängig werden. Ein Jahr, in dem Facebook seinen Newsfeed wieder zu einem positiven Erlebnis für unsere Psyche machen möchte, zwei große Investoren einen offenen Brief an Apple schreiben, um mehr Engagement beim Schutz unserer Kinder vor Smartphone-Sucht zu fordern und Stimmen immer lauter werden, die vor der kompletten Monopolisierung und Kommerzialisierung des Webs warnen.

Ein heftiger Start in das neue Jahr für das Silicon Valley. Dabei war 2017 mit der (anhaltenden) #MeToo-Debatte bereits turbulent und hat viele Strukturen erschüttert. Der Hype, die Technologieverliebtheit und die gesellschaftliche Akzeptanz schwinden zunehmend. Für Facebook und Google rückt das reine Wachstum in den Hintergrund. Das Pendel schwingt zurück.

Facebook warnt in Werbekampagne vor dem eigenen Produkt.

Die Jahre vorher waren eher geprägt von Datenschutzdebatten, den Snowden-Leaks und uns wurde zum ersten Mal richtig bewusst: Bei werbefinanzierten Diensten sind wir selbst das Produkt. Letztes Jahr und die aktuelle Debatte zeigen, dass die Kritik sich ausweitet: Wir haben nicht nur Angst um unsere Privatsphäre, wir fürchten um unsere Gesundheit.

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem Begeisterung ernsthafter Überforderung gewichen ist. Die Nutzer besinnen sich wieder mehr auf sich selbst, anstatt nur auf die Versuchungen und Verlockungen, die uns jeden Tag vor die Nase gesetzt werden. Kommunikation wird wieder persönlicher und weniger öffentlich. Trump, Flüchtlingskrise und eine immer lautere Welt, die mit Informationen auf uns einprasselt, überfordern uns.

Farhad Manjoo schreibt in seinem Artikel It’s Time for Apple to Build a Less Addictive iPhone, dass es einen Konzern gibt, der hier einen Wandel vollbringen könnte: Apple. Warum Apple?

Like air pollution or intrusive online advertising, tech addiction is a collective-action problem caused by misaligned incentives. Companies that make money from your attention — that is, ad-supported apps like Facebook, Instagram, Snapchat and YouTube — now employ armies of people who work with supercomputers to hook you ever more deeply into their services.

Für Apple spielt es keine große Rolle, ob du sechs oder nur eine Stunde am Tag mit deinem iPhone verbringst. Wichtig ist ein positives Nutzungserlebnis, damit du der Marke auch treu bleibst. Oder kurz gesagt: Apple möchte nicht dein Verhalten ändern, sondern einfach möglichst gute Produkte herstellen. Apple wird reagieren, hat der Konzern in den letzten Jahren sowieso einen Schwerpunkt auf das Thema Gesundheit gelegt. Wird es eine ernsthafte Reaktion sein oder nur PR? Wir werden sehen.

Ich bin gespannt, wie weit diese Debatte dieses Jahr noch eskalieren wird. Es scheint aber eine gesunde Regulierung von Technologie zu passieren, die letztlich dem technologischen Fortschritt helfen wird. Wie immer, wenn sich die anfängliche Begeisterung legt, fangen Nutzer an zu reflektieren und erst dann werden sich neue Technologien in unserer Gesellschaft langfristig etablieren können.

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Die Zeiten sind vorbei, als ich fast keinem Download-Link widerstehen konnte. Ich habe installiert, probiert, kaputtgemacht und wieder runtergeworfen. So lernt man, aber es kostet auch Zeit und mittlerweile versuche ich auf wenige Tools und Services zu setzen. Dahinter steckt der "weniger ist mehr-Gedanke", aber mittlerweile ist mir der Workflow auch wichtiger. Damit meine ich, dass ich ein Setup möchte, das möglichst gut zusammenarbeitet und wenig Pflegeaufwand erfordert.

Dazu ein paar Vorbemerkungen, die meine Auswahl grundsätzlich beeinflussen.

It's an Apple world

Ich bin tief verwurzelt im Apple-Ökosystem. Angefangen mit Windows (95, 98, ME, XP) habe ich mehrere Jahre auf Linux gesetzt (Debian, Ubuntu). Erinnert ihr euch noch an die großartigen IBM Thinkpads? Diese in Kombination mit einem robusten Linux-System waren ein großartiges Setup. Ich habe die Dinger geliebt (insbesondere die portable X-Serie). Und Linux war ein Bastelparadies.

Doch die freie Zeit zum Fixen und Probieren wurde weniger – und vor allem kam das iPhone. Plötzlich war da ein neues Device, das neben dem Laptop einen weiteren Computer darstellte. Ab sofort war es für mich wichtig, dass diese zwei Geräte auch miteinander funktionieren und mein erster Mac (iMac mit Snow Leopard) kam ins Haus. Seitdem bin ich tief verwurzelt in iCloud, iTunes, iMessage usw. Die Symbiose aus Hard- und Software aus einer Hand ist bis heute überlegen. Und es ist unkompliziert: Setze ich Macbook oder iPhone neu auf, muss ich nur die iCloud anwerfen und wie von Geisterhand lädt er Fotos, Notizen, Mails, Termine, Passwörter, Lesezeichen, Files, Apps und Musik auf das Gerät. Eine komplette Neuinstallation (Clean Install) ist somit innerhalb von zwei Stunden möglich. Früher war das gerne mal ein kompletter Tag Arbeit.

Analog siegt oft

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Ich versuche eigentlich so wenig Technik wie möglich in meinem Alltag zuzulassen. Das ist paradox, beschäftige ich mich doch beruflich jeden Tag mit Technik, blogge in der Freizeit darüber und würde mich als sehr technik-affin bezeichnen. Aber genau das ist der Punkt. Ich möchte mich nicht überfrachten und wer sich intensiv mit einer Materie beschäftigt, der ist genauso begeistert wie auch skeptisch.

xkcd – Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.5 License.

An technischer Hardware zuhause besitze ich genau drei Dinge: Macbook Pro, iPhone 6s, AppleTV. Diese drei Geräte decken alle Use Cases ab, die für mich relevant sind. Konnektivität mit dem iPhone, Arbeiten mit dem Macbook und entspannen mit dem AppleTV. Komplett analog sind hingegen: Zahnbürste, Armbanduhr, Rasierer, Notizbuch. Okay, ich habe auch ein paar Küchengeräte. Aber selbst da ist mir der Siebträger lieber als ein Vollautomat. Nennt mich Purist, Hipster, konservativ oder was auch immer. Aber wenn ich sehe, was bei der CES für ein Ramsch auf den Markt geworfen wird, würde ich mir mehr Skepsis bei Journalisten und Verbrauchern wünschen.

Anyway. Wie sieht also mein Setup aus?

Hardware & Software

Im Mittelpunkt steht mittlerweile das iPhone. Zumindest privat. Mein Laptop bleibt meistens in der Agentur, mein iPhone ist in erster Linie zur Kommunikation (iMessage, WhatsApp, Email und Telefonieren), aber auch für meine morgendliche Newsletter-Lektüre. Ich schreibe ungern längere Texte auf dem iPhone, Screen-Tastaturen und Ich wurden nie richtig warm miteinander. Ansonsten möchte ich nicht mehr auf Apple Music und Podcasts verzichten, hauptsächlich im Auto auf dem Weg zur Arbeit.

Mein aktueller Home Screen, iPhone 6s.

Meine meistbenutzten Apps sind eigentliche alle Stock-Apps. Ich nutze fast nie Drittsoftware, wenn sie nicht einen erheblichen Mehrwert bietet. Also: Kalender, Notes, Apple Mail, Wetter, Erinnerungen. Ziemlich langweilig, aber zuverlässig und immer bestens mit dem Macbook/AppleTV synchronisiert. Man sollte sich das Leben nicht unnötig schwermachen. Die New York Times App ist übrigens nur ein Link zur Website. In News Apps habe ich eigentlich noch nie einen Vorteil gesehen, außer dass sie nervige Notifications senden. Auch die Workout App ist übrigens nur eine Web App. Simpel, benötigt keine Updates, was will man mehr.

Am interessantesten sind für mich Apps, die den mobilen Charakter eines Smartphones unterstützen. Ich möchte keine Pendants zur Desktop-Version auf dem iPhone haben, weil in 99 % der Fälle es sinnvoller ist, die App dann auch direkt auf dem Laptop/Desktop zu nutzen. Sinnvoll sind aber Apps, die mir helfen von A nach B zu kommen: Bahn Navigator (ich vermeide es allerdings mit der Deutschen Bahn zu fahren, leider ein Steinzeitunternehmen), MyTaxi und die VRS für den regionalen Verkehrsverbund in Köln. Sobald man mit dem Navigator aber auch Einzeltickets im Regionalverbund kaufen kann, fliegt die VRS App vom Handy.

Beruflich steht das Macbook im Mittelpunkt. Eigentlich ein perfektes Gerät: Retina Screen, angenehme Tastatur und das beste Trackpad auf dem Markt. Ich habe nie verstanden, warum Windows Laptops kein gescheites Trackpad hinbekommen. Aber vielleicht hat sich das mittlerweile auch gebessert. Auf Zubehör zum Macbook verzichte ich völlig. Kein externer Screen, keine Maus, keine Tastatur. Mein Motto ist small screen productivity und ein Laptop ist nunmal ein portables Gerät. Für mich macht es keinen Sinn, wenn ich erst fünf Stecker rausziehen muss, wenn ich vom Schreibtisch aufs Sofa wechsel.

An Software setze ich analog zum iPhone auf die vorinstallierten Apple-Produkte. Ansonsten ist iA Writer das Schreibwerkzeug meiner Wahl. Ein (sehr guter) Font, iCloud-Synchronisation, Markdown, sehr gutes File Management und PDF/Word-Export. Mehr brauche ich nicht. Zur Hölle mit Word.

iA Writer: Was braucht man mehr?

Generell bin ich kein Fan von Microsoft Office, deswegen darf auf der Liste auch meine Powerpoint-Alternative Deckset nicht fehlen. Ich konzentriere mich gerne auf den Inhalt und mag Software, die mir nicht zu viel Spielraum beim Rumspielen mit der Optik erlaubt. Mit Deckset lassen sich Präsentationen mit Markdown bauen. Keine Pixel-Schubserei, einfach Wörter und Grafiken reinwerfen, um den Rest braucht man sich nicht zu kümmern. Auch hier ist der Workflow übrigens entscheidend. Ich kann die Präsentation mit iA Writer schreiben, Deckset übernimmt automatisch und in Echtzeit die Konvertierung in ein schönes Template. Ein tolles Produkt aus einer deutschen Software-Schmiede!

(Software as a) Service

Neben meinen Nachrichten-Abos (Ny Times und Spiegel Print, die gelten aber wohl eher als Content as a Service) darf natürlich Ghost nicht fehlen. Ich habe kürzlich darüber geschrieben, warum ich mich für Ghost als Blog Service entschieden habe. Auch hier steht der Markdown Support im Vordergrund. iA Writer ist meine zentrale Anlaufstelle für Content: Dort liegen Blog Posts (die in Ghost kopiert werden), Präsentationen (die von Deckset gebaut werden) und eigentlich alle Texte, die ich beruflich wie privat verfasse.

Der Domain Registrar meiner Wahl ist übrigens I Want My Name. Ich mag einfach Anbieter, die sich auf eine Sache konzentrieren und diese simpel und professionell umsetzen. Die üblichen Hosting-Anbieter haben furchtbare Websites aus dem letzten Jahrtausend und ein unüberblickbares Angebot an Tarifen und Diensten. Mache eine Sache, aber mache sie richtig.

Google spielt bei mir eigentlich keine Rolle, außer die obligatorische Google Suche. Meine Mails, Kalender und Kontakte laufen, wie gesagt, über iCloud. Im Job muss ich leider Office 365 nutzen, mehr schlecht als recht. Trello ist noch ein Dienst, den ich gerne auf Projektbasis einsetze. Für mich ist die Kartenansicht die Essenz von einfacher Organisation. Visuell, simpel und für jeden verständlich.

Dienste, die mir am Herzen liegen, die ich aktuell aber nicht benötige: Dropbox (nach wie vor die beste, einfachste File-Synchronisation), Fastmail (der wohl beste Mail-Anbieter), Basecamp (tolles, durchdachtes Produkt und ein inspirierendes Unternehmen).

Soweit meine Übersicht. Ziemlich wenige Tools für einen Tech-Nerd. Aber so funktioniert es für mich (aktuell) am besten. Keep it simple, stupid ¯_(ツ)_/¯.

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Facebook besinnt sich wieder auf seine Wurzeln. Das ist die klare Message, die Zuckerberg diese Woche verbreitet hat:

We're making a major change to how we build Facebook. I'm changing the goal I give our product teams from focusing on helping you find relevant content to helping you have more meaningful social interactions. [...] Now, I want to be clear: by making these changes, I expect the time people spend on Facebook and some measures of engagement will go down. But I also expect the time you do spend on Facebook will be more valuable.

Die Aussagen sind zwar schwammig und niemand weiß aktuell genau, welche Auswirkungen wir auf den Newsfeed sehen werden, aber es ist höchste Zeit, dass FB hier einen Kursschwenk macht. Auch ist die Aussage nicht überraschend. Bereits 2015 hat man angekündigt, dass Content von Freunden und Familie höher gewichtet wird, als Content von Facebook Pages. Im letzten Jahr betonte Zuckerberg das Thema Community Building. Die Entwicklung ist bereits seit längerem abzusehen, aber gefühlt eskaliert sie aktuell.

Zuerst: Die Erfolgsfaktoren

Zuerst ist es beeindruckend, dass ein Konzern dieser Größe und sein CEO weiterhin mutig handeln und große Änderungen nicht scheuen. Facebook ist aus drei Gründen groß und größer geworden:

  1. Es wurde zum richtigen Zeitpunkt gegründet. Es konnte synchron mit der Verbreitung des Internets wachsen und hat eines der größten Vorteile des Netzes von Anfang an nutzen können: Die Vernetzung von Menschen, die Selbstdarstellung und das Teilen. Seit der Gründung Facebooks 2004 hat sich die Zahl der Internetnutzer ungefähr vervierfacht und liegt aktuell bei drei Milliarden. Facebook hat etwa zwei Milliarden (monthly active) User.
  1. Die Entwicklung ist nie stehen geblieben. Facebook hat sich als Appstore, Gaming-Plattform, News-Plattform, Video-Plattform, Forum, Chat und vieles weiteres versucht. Man hat einfach getestet, probiert, verworfen und den Schwerpunkt wieder verlagert. Immer auf der Suche den heiligen Gral der Verweildauer (und damit verbunden der Anzeigenerlöse) zu maximieren. Mit der Einführung des Newsfeeds (2006) dachte man, dass Facebook das Internet mit einer Art Weltfeed übernehmen wird. Das war falsch gedacht – und jetzt passt man eben wieder an.
  2. Facebook hat seine Markt- und Kapitalmacht geschickt für Zukäufe genutzt. Sowohl beim Kauf von Instagram als auch WhatsApp haben viele Experten bei den extremen Kaufsummen den Kopf geschüttelt. Mittlerweile sind die Plattformen wesentliche Standbeine des Konzerns und eine wichtige Absicherung.

Quelle: techcrunch.com.

Es ist kaputt, also back to the roots

Jedes Produkt hat eine eigene DNA. Diese entsteht bei der ursprünglichen Konzeption und Entwicklung. Es beinhaltet den Zeitgeist und die Persönlichkeit des Gründers. Facebooks DNA ist der Wunsch mit Kommilitonen an der Uni in Kontakt zu kommen. Zu sehen, wer gerade was macht, zu flirten und Partys zu organisieren. Transparenz, Austausch und persönliche Kontakte stehen im Mittelpunkt. Davon hat sich das Netzwerk weit entfernt, ich würde es fast mit Größenwahn beschreiben: Man wollte eine allumfassende Quelle für Kontakte, Berufliches, Nachrichten, PR und dem Weltgeschehen an sich werden.

Und wer alles will, wird nichts (ein Schicksal, das übrigens auch für Amazon eine Bedrohung darstellt). Facebook fühlt sich an, wie eine Art unkontrollierbarer RSS-Feed, der auf einen eindonnert, während man in einer Spielothek zwischen lauter Slot Machines sitzt. Mit sinnlosen Algorithmen, Growth- und Fakenews-Hackern, Werbung, Trolls und Content, den man überall im Netz auch findet.

Das scheint Zuckerberg spätestens jetzt begriffen zu haben, so schreibt er im aktuellen Statement:

At its best, Facebook has always been about personal connections.

Die ursprüngliche DNA steckt weiterhin im Produkt und sollte wieder als Kern herausgearbeitet werden. Mögliche Maßnahmen dafür:

  • Verdrängen von Unternehmen auf Facebook
  • Mehr geschützte Räume/Privatsphäre für persönlichen Austausch schaffen
  • Weniger Masse-zu-Masse-Kommunikation, mehr individuelle Kommunikation fördern
  • Potentielle Reichweite limitieren. Kommunikation muss wieder im kleinen Kreis stattfinden. Ein wichtiger Punkt, um gegen Schmutz-Kampagnen und Fake-News vorzugehen
  • Sich nicht mehr als Nachrichtenquelle positionieren
  • Weniger die Werbetreibenden als Kunden sehen, sondern die Bedürfnisse der User in den Vordergrund stellen

Facebook muss es wieder schaffen, als etwas Positives und Nützliches von seinen Usern anerkannt zu werden. Darunter wird das Wachstum leiden, die Alternative aber ist, dass Facebook als toxische Müllhalde des Internets in die Geschichte eingeht.

Und die Medien?

Die schauen erstmal in die Röhre, müssen sie doch erhebliche Verluste bei der Reichweite einbüßen. Wie viel genau, weiß man nicht, aber es gibt Vermutungen um die 30,40 Prozent.

Für Medien bedeutet das einmal mehr: Schaut nicht auf die Reichweite, baut eine Marke auf, der die Leser vertrauen und folgen. Weniger Push, mehr Pull. Wenn ihr kein eigenes Publikum (im Sinne von Lesern, die euch bewusst und gezielt konsumieren) habt, dann habt ihr auch keine Leser.


Zuletzt noch eine Leseempfehlung zu dem Thema. Roger McNamee, ein früher Investor von Facebook und Berater Zuckerbergs beschreibt die problematische Entwicklung Facebooks. Der US-Wahlkampf 2016 war für ihn das erste große Alarmzeichen, das Facebook ein gewaltiges Problem hat: "I didn’t know what was going on, but I worried that Facebook was being used in ways that the founders did not intend."