Das Tech-Pendel schwingt zurück

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Da veröffentlicht die New York Times einen Artikel darüber, wie man sein iPhone auf eine Schwarz-Weiß-Darstellung umstellt. Keine Pointe. Willkommen im Jahr 2018, in dem wir unsere Smartphones schlechter machen, damit wir weniger abhängig werden. Ein Jahr, in dem Facebook seinen Newsfeed wieder zu einem positiven Erlebnis für unsere Psyche machen möchte, zwei große Investoren einen offenen Brief an Apple schreiben, um mehr Engagement beim Schutz unserer Kinder vor Smartphone-Sucht zu fordern und Stimmen immer lauter werden, die vor der kompletten Monopolisierung und Kommerzialisierung des Webs warnen.

Ein heftiger Start in das neue Jahr für das Silicon Valley. Dabei war 2017 mit der (anhaltenden) #MeToo-Debatte bereits turbulent und hat viele Strukturen erschüttert. Der Hype, die Technologieverliebtheit und die gesellschaftliche Akzeptanz schwinden zunehmend. Für Facebook und Google rückt das reine Wachstum in den Hintergrund. Das Pendel schwingt zurück.

Facebook warnt in Werbekampagne vor dem eigenen Produkt.

Die Jahre vorher waren eher geprägt von Datenschutzdebatten, den Snowden-Leaks und uns wurde zum ersten Mal richtig bewusst: Bei werbefinanzierten Diensten sind wir selbst das Produkt. Letztes Jahr und die aktuelle Debatte zeigen, dass die Kritik sich ausweitet: Wir haben nicht nur Angst um unsere Privatsphäre, wir fürchten um unsere Gesundheit.

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem Begeisterung ernsthafter Überforderung gewichen ist. Die Nutzer besinnen sich wieder mehr auf sich selbst, anstatt nur auf die Versuchungen und Verlockungen, die uns jeden Tag vor die Nase gesetzt werden. Kommunikation wird wieder persönlicher und weniger öffentlich. Trump, Flüchtlingskrise und eine immer lautere Welt, die mit Informationen auf uns einprasselt, überfordern uns.

Farhad Manjoo schreibt in seinem Artikel It’s Time for Apple to Build a Less Addictive iPhone, dass es einen Konzern gibt, der hier einen Wandel vollbringen könnte: Apple. Warum Apple?

Like air pollution or intrusive online advertising, tech addiction is a collective-action problem caused by misaligned incentives. Companies that make money from your attention — that is, ad-supported apps like Facebook, Instagram, Snapchat and YouTube — now employ armies of people who work with supercomputers to hook you ever more deeply into their services.

Für Apple spielt es keine große Rolle, ob du sechs oder nur eine Stunde am Tag mit deinem iPhone verbringst. Wichtig ist ein positives Nutzungserlebnis, damit du der Marke auch treu bleibst. Oder kurz gesagt: Apple möchte nicht dein Verhalten ändern, sondern einfach möglichst gute Produkte herstellen. Apple wird reagieren, hat der Konzern in den letzten Jahren sowieso einen Schwerpunkt auf das Thema Gesundheit gelegt. Wird es eine ernsthafte Reaktion sein oder nur PR? Wir werden sehen.

Ich bin gespannt, wie weit diese Debatte dieses Jahr noch eskalieren wird. Es scheint aber eine gesunde Regulierung von Technologie zu passieren, die letztlich dem technologischen Fortschritt helfen wird. Wie immer, wenn sich die anfängliche Begeisterung legt, fangen Nutzer an zu reflektieren und erst dann werden sich neue Technologien in unserer Gesellschaft langfristig etablieren können.

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