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Gedanken aus dem Zwischenraum von Mensch & Maschine.

Männer, die auf Gesichter starren (oder wie sich Videotelefonie verändert)

Virtuelle Meetings sind allgegenwärtig. Viele von uns verbringen mehrere Stunden täglich in Video-Chats über Zoom, MS Teams oder WebEx. Was wir dort zu sehen bekommen, gleicht sich eigentlich immer: kleine Köpfe, die in Rastern auf dem Bildschirm zu sehen sind. Eine ziemlich ermüdende Darstellung, wenn man damit mehrere Stunden am Tag verbringt.

Dabei gibt es schon lange auch andere Formen, die je nach Art des Meetings einige Vorteile mit sich bringen, wie der Artikel „The Race to Fix Virtual Meetings“ in der NyTimes zeigt. Die starre Darstellungsform, bei der das Video der Teilnehmer einfach in einem Raster angeordnet ist, wurde mit Skype populär und blieb bis heute fast unverändert. Letztlich ist es das Prinzip des Telefonierens mit einer Videoübertragung angereichert. Ein Konzept, das man bereits in den 20er-Jahren verwirklicht hat und eigentlich von Einfallslosigkeit geprägt ist.

Es erlaubt keinerlei Dynamik, wie wir sie mit einem echten Gegenüber hätten. Insbesondere, wenn mehrere Personen beteiligt sind. Keine Fokussierung des Gesprächspartners. Wir sehen zwar, dass uns die anderen sehen, aber schauen sie uns auch an? Wie können wir eine Person aus der Gruppe gezielt ansprechen oder uns in einer Gruppe absondern? In dem Times-Artikel werden einige neue Ansätze wie Gather.town erwähnt. Ähnlich ist auch Sococo, ein Pionier in dem Bereich, den ich bereits vor Jahren getestet habe. In liebevoller Retro-Optik wird man als Gesprächsteilnehmer in einer Welt platziert – und kann sich damit in einer Gruppe dynamisch bewegen. Für andere wird ersichtlich, ob man sich gerade zurückzieht oder ob man seinen Bildschirm teilt. Die Umgebung kann man oft selbst gestalten, ein bisschen Minecraft -Feeling. Das hat in lockeren Zusammenkünften, wie Feierabendtreffen unter Kollegen oder virtuelle Geburtstagsfeiern durchaus Vorteile.

Doch nicht nur die Bewegung ist wichtig, sondern auch das gemeinsame Erlebnis. Quasi die Ablenkungen von Face-to-Face-Situationen. Genau wie in einem echten Gespräch, redet man auch über Dinge, die man sieht, durch die man sich bewegt oder die man gerade macht. All dies wird erst in einer virtuellen Umgebung möglich.

In eine ähnliche Richtung gehen VR-Meetings wie Spatial oder Facebook Horizon. Doch hier steht das immersive Erlebnis im Mittelpunkt. Das Gespräch soll sich realer, physischer anfühlen. Ich bezweifle, dass dies aktuell viele Vorteile mit sich bringt und ob die Hürden nicht noch viel zu hoch sind. Aber es ist spannend zu sehen, wie die Pandemie diese Entwicklungen beschleunigt und die uralte Videotelefonie transformiert.

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